Wie überzeuge ich meinem Berater bei der Arbeitsagentur für einen Bildungsgutschein?

Wer eine Weiterbildung oder Umschulung mit einem Bildungsgutschein finanzieren lassen möchte, steht häufig vor einer entscheidenden Frage:

Wie überzeuge ich meinen Berater bei der Arbeitsagentur davon, dass genau diese Weiterbildung für mich notwendig ist?

Dabei ist eines besonders wichtig: Sie müssen Ihren Berater nicht „überreden“ oder mit möglichst vielen Argumenten unter Druck setzen. Die bessere Strategie ist, Ihre berufliche Situation, Ihr Ziel und den konkreten Nutzen der Weiterbildung nachvollziehbar darzustellen.

Die Agentur für Arbeit prüft im persönlichen Beratungsgespräch unter anderem, ob eine Weiterbildung notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Auch Fähigkeiten, beruflicher Werdegang, Vorkenntnisse, persönliche Eignung und die Situation auf dem Arbeitsmarkt können berücksichtigt werden.

Das bedeutet:

Nicht „Ich möchte diesen Kurs machen“ sollte im Mittelpunkt stehen, sondern „Ich brauche diese Qualifikation, um mein berufliches Ziel zu erreichen“.

Was möchte der Berater eigentlich wissen?

Viele Menschen gehen mit dem Gedanken in das Gespräch:

„Wie bekomme ich den Bildungsgutschein?“

Hilfreicher ist jedoch die Frage:

„Wie kann ich nachvollziehbar zeigen, dass diese Weiterbildung meine beruflichen Chancen verbessert?“

Ihr Berater möchte typischerweise verstehen:

  • Wo stehen Sie beruflich?
  • Welche Qualifikationen besitzen Sie bereits?
  • Was möchten Sie beruflich erreichen?
  • Warum reicht Ihre bisherige Qualifikation dafür nicht aus?
  • Welche konkrete Weiterbildung soll diese Lücke schließen?
  • Welche Chancen haben Sie nach der Weiterbildung auf dem Arbeitsmarkt?
  • Warum ist gerade jetzt eine Weiterbildung sinnvoll?
  • Ist die Weiterbildung für Sie persönlich geeignet?
  • Ist die konkrete Maßnahme förderfähig?

Die Bundesagentur für Arbeit betont, dass die Entscheidung über eine Förderung im individuellen Beratungsgespräch getroffen wird. Einen automatischen Anspruch allein aufgrund des Wunsches nach einer bestimmten Weiterbildung gibt es bei vielen Förderfällen nicht.


Die wichtigste Regel: Vom Kurs zum Beruf denken

Eine der häufigsten Fehlerquellen ist, dass Antragsteller mit einer bestimmten Weiterbildung beginnen und erst danach versuchen, einen beruflichen Nutzen dafür zu finden.

Besser ist die umgekehrte Reihenfolge:

Berufsziel → fehlende Qualifikation → passende Weiterbildung → bessere Jobchancen

Ein Beispiel:

Weniger überzeugend

„Ich möchte gerne eine Weiterbildung im Bereich Online-Marketing machen, weil mich das Thema interessiert.“

Deutlich überzeugender

„Ich möchte künftig im Online-Marketing arbeiten. Bei den Stellen, die ich gefunden habe, werden Kenntnisse in SEO, Google Ads und Content-Marketing verlangt. Diese Kenntnisse fehlen mir bisher. Die geplante Weiterbildung vermittelt genau diese Kompetenzen und verbessert damit meine Chancen, eine entsprechende Beschäftigung aufzunehmen.“

Die zweite Argumentation stellt einen klaren Zusammenhang zwischen Weiterbildung und beruflicher Eingliederung her.


Vorbereitung ist der wichtigste Schritt

Wer im Gespräch überzeugend auftreten möchte, sollte sich vorher einige konkrete Fragen beantworten.

1. Was ist mein berufliches Ziel?

Versuchen Sie, Ihr Ziel möglichst konkret zu formulieren.

Nicht:

„Ich möchte etwas im kaufmännischen Bereich machen.“

Besser:

„Ich möchte als Sachbearbeiter im Bereich Einkauf arbeiten.“

Oder:

„Mein Ziel ist eine Tätigkeit als IT-Support-Mitarbeiter.“

Oder:

„Ich möchte nach der Umschulung als Pflegefachkraft arbeiten.“

Je konkreter das Ziel ist, desto leichter lässt sich erklären, warum eine bestimmte Qualifikation notwendig ist.


2. Welche Qualifikation fehlt mir?

Jetzt kommt die entscheidende Frage:

Warum kann ich mein berufliches Ziel mit meiner bisherigen Qualifikation nicht oder nur schwer erreichen?

Beispielsweise:

„Ich habe zwar Berufserfahrung im Büro, aber mir fehlen aktuelle Kenntnisse in DATEV und Finanzbuchhaltung. In den Stellenangeboten, die für mich interessant sind, werden diese Kenntnisse regelmäßig vorausgesetzt.“

Oder:

„Ich habe bisher ohne Berufsabschluss gearbeitet. Für viele Stellen, die ich anstrebe, wird jedoch ein anerkannter Berufsabschluss verlangt.“

Gerade der fehlende Berufsabschluss kann bei der Förderentscheidung eine wichtige Rolle spielen. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht für den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses sogar ein Rechtsanspruch auf Förderung.


3. Warum gerade diese Weiterbildung?

Hier sollte man nicht einfach den Namen des Kurses nennen.

Erklären Sie stattdessen, welche konkrete Qualifikationslücke durch die Weiterbildung geschlossen wird.

Beispiel:

„Die Weiterbildung umfasst genau die Kenntnisse, die in den Stellenangeboten verlangt werden. Dazu gehören unter anderem Buchhaltung, DATEV und Lohnabrechnung. Deshalb halte ich sie für geeigneter als eine allgemeine kaufmännische Weiterbildung.“

Damit zeigen Sie, dass Sie sich mit der Weiterbildung auseinandergesetzt haben.


4. Was möchte ich nach der Weiterbildung machen?

Die Weiterbildung sollte nicht als Selbstzweck erscheinen.

Eine gute Antwort wäre:

„Nach Abschluss möchte ich mich gezielt auf Stellen als Finanzbuchhalter bewerben. Ich habe bereits mehrere passende Stellenangebote gefunden und möchte mich nach Abschluss der Weiterbildung gezielt darauf bewerben.“

Das zeigt eine klare Perspektive.


5. Gibt es tatsächlich passende Stellen?

Diese Frage sollten Sie möglichst konkret beantworten können.

Recherchieren Sie vor dem Gespräch einige Stellenangebote.

Achten Sie dabei auf:

  • Berufsbezeichnung
  • geforderte Qualifikation
  • geforderte Kenntnisse
  • notwendige Zertifikate
  • Berufserfahrung
  • regionale Nachfrage
  • Vollzeit-/Teilzeitmöglichkeiten

Wenn beispielsweise zehn aktuelle Stellenangebote ähnliche Kenntnisse verlangen, kann das Ihre Argumentation deutlich besser untermauern.

Die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt bei der Prüfung der Notwendigkeit einer Weiterbildung auch die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes.


Mögliche Fragen des Beraters – und gute Antworten

Im folgenden Abschnitt finden Sie typische Fragen, auf die Sie sich vorbereiten können.

Wichtig: Die Antworten sollten immer der eigenen tatsächlichen Situation entsprechen. Es geht nicht darum, dem Berater eine vorgefertigte Geschichte zu erzählen.

Frage 1: „Warum möchten Sie diese Weiterbildung machen?“

Gute Antwort:

„Ich möchte meine beruflichen Chancen im Bereich [Berufsfeld] verbessern. Für die Stellen, die für mich infrage kommen, werden Kenntnisse in [konkrete Kenntnisse] verlangt. Diese Kenntnisse fehlen mir derzeit. Die Weiterbildung vermittelt genau diese Qualifikationen und soll mir ermöglichen, mich gezielt auf entsprechende Stellen zu bewerben.“

Warum ist diese Antwort sinnvoll?

Sie verbindet drei Punkte:

Berufsziel → Qualifikationslücke → Weiterbildung

Genau dieser Zusammenhang ist für das Beratungsgespräch wichtig.


Frage 2: „Warum reicht Ihre bisherige Ausbildung nicht aus?“

Beispielantwort:

„Meine bisherige Ausbildung beziehungsweise Berufserfahrung reicht für die aktuellen Anforderungen in meinem angestrebten Bereich nicht mehr vollständig aus. Viele Stellen verlangen inzwischen Kenntnisse in [X]. Diese Kenntnisse habe ich bisher nicht beziehungsweise nicht in ausreichendem Umfang. Deshalb möchte ich diese gezielt durch die Weiterbildung erwerben.“

Wichtig ist, nicht die bisherige Ausbildung schlechtzureden.

Es geht vielmehr darum zu erklären, welche zusätzliche Qualifikation heute benötigt wird.


Frage 3: „Warum finden Sie aktuell keine Arbeit?“

Hier sollten Sie ehrlich und konkret antworten.

Beispiel:

„Ich habe mich bereits auf mehrere Stellen beworben. Dabei habe ich festgestellt, dass mir häufig die Qualifikation [X] fehlt. In mehreren Stellenanzeigen wird diese ausdrücklich verlangt. Deshalb sehe ich die Weiterbildung als Möglichkeit, diese konkrete Qualifikationslücke zu schließen.“

Noch besser ist es, wenn Sie Ihre Aussage mit tatsächlichen Bewerbungen oder Stellenangeboten belegen können.


Frage 4: „Warum gerade diese Weiterbildung?“

Beispielantwort:

„Ich habe verschiedene Angebote miteinander verglichen. Diese Weiterbildung passt am besten zu meinem beruflichen Ziel, weil sie die für die Stellen relevanten Inhalte [X, Y und Z] abdeckt. Außerdem führt sie zu [Abschluss/Zertifikat, sofern zutreffend].“

Damit zeigen Sie, dass die Auswahl nicht zufällig erfolgt ist.


Frage 5: „Was wollen Sie nach der Weiterbildung machen?“

Beispielantwort:

„Mein Ziel ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als [Berufsbezeichnung]. Nach Abschluss möchte ich mich gezielt auf entsprechende Stellen bewerben. Ich habe bereits recherchiert, welche Unternehmen in meiner Region entsprechende Mitarbeiter suchen.“

Das ist stärker als:

„Danach schaue ich mal, was sich ergibt.“


Frage 6: „Haben Sie schon nach Stellen gesucht?“

Gute Antwort:

„Ja. Ich habe mir aktuelle Stellenangebote angesehen. Dabei habe ich festgestellt, dass bei vielen Arbeitgebern [Kenntnisse/Abschluss/Zertifikat] vorausgesetzt wird. Genau diese Qualifikation möchte ich mit der Weiterbildung erwerben.“

Noch besser:

„Ich habe mir beispielsweise Stellen von [Unternehmen/Branche] angesehen. Bei mehreren Ausschreibungen werden [konkrete Kenntnisse] verlangt.“


Frage 7: „Warum können Sie sich nicht einfach direkt bewerben?“

Das ist eine wichtige Frage.

Beispielantwort:

„Ich kann mich natürlich bereits bewerben. Ich habe das auch getan. Allerdings stelle ich fest, dass mir bei vielen Stellen eine bestimmte Qualifikation fehlt. Deshalb möchte ich meine Chancen gezielt verbessern, anstatt mich dauerhaft auf Stellen zu bewerben, für die mir eine wesentliche Voraussetzung fehlt.“

Damit zeigen Sie Eigeninitiative.


Frage 8: „Was bringt Ihnen die Weiterbildung konkret?“

Gute Antwort:

„Sie schließt eine konkrete Qualifikationslücke. Danach erfülle ich die fachlichen Anforderungen für deutlich mehr Stellen in meinem angestrebten Bereich. Mein Ziel ist, dadurch meine Vermittlungschancen zu verbessern und möglichst schnell wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufzunehmen.“


Frage 9: „Warum müssen wir diese Weiterbildung finanzieren?“

Hier sollte man nicht mit persönlichen Wünschen argumentieren.

Besser:

„Weil die Weiterbildung für mich eine konkrete berufliche Qualifikationslücke schließt und dadurch meine Chancen auf eine Beschäftigung verbessert. Ich habe die Weiterbildung nicht nur aufgrund meines persönlichen Interesses ausgewählt, sondern weil die dort vermittelten Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt für mein angestrebtes Berufsfeld benötigt werden.“


Frage 10: „Gibt es keine günstigere oder kürzere Weiterbildung?“

Darauf sollten Sie vorbereitet sein.

Gute Antwort:

„Ich bin grundsätzlich offen für eine andere geeignete Weiterbildung. Entscheidend ist für mich, dass sie die Qualifikationen vermittelt, die für mein berufliches Ziel tatsächlich benötigt werden. Wenn Sie eine andere Maßnahme für geeigneter halten, würde ich mir diese gerne ansehen.“

Diese Antwort ist besonders sinnvoll, weil sie nicht den Eindruck vermittelt:

„Ich will unbedingt genau diesen einen Kurs.“

Stattdessen zeigen Sie:

„Mein Ziel ist die berufliche Integration – die Weiterbildung ist das Mittel dafür.“


Frage 11: „Warum muss die Weiterbildung so lange dauern?“

Beispielantwort:

„Die Dauer ergibt sich aus den Inhalten und dem angestrebten Abschluss. Eine kürzere Weiterbildung würde nach meiner Recherche die notwendigen Inhalte beziehungsweise den erforderlichen Abschluss nicht vollständig abdecken.“

Falls eine kürzere Alternative tatsächlich ausreicht, sollte man dies natürlich offen prüfen.


Frage 12: „Warum möchten Sie nicht einfach einen anderen Beruf ausüben?“

Beispielantwort:

„Ich bin grundsätzlich offen für passende Beschäftigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig habe ich bereits Berufserfahrung und Kenntnisse in diesem Bereich. Mit der Weiterbildung kann ich darauf aufbauen und eine konkrete Qualifikationslücke schließen. Deshalb halte ich diesen Weg für sinnvoller und nachhaltiger.“


Frage 13: „Was machen Sie, wenn Sie nach der Weiterbildung trotzdem keine Stelle finden?“

Gute Antwort:

„Mir ist bewusst, dass eine Weiterbildung keine Beschäftigung garantiert. Ich möchte aber meine Chancen deutlich verbessern. Ich habe mich bereits mit dem Arbeitsmarkt beschäftigt und sehe konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach der Weiterbildung werde ich mich gezielt auf passende Stellen bewerben.“

Diese Antwort wirkt realistischer als:

„Danach bekomme ich auf jeden Fall einen Job.“

Eine Garantie sollte man niemals versprechen.


Frage 14: „Haben Sie schon einen Bildungsträger gefunden?“

Wenn Sie bereits einen Anbieter gefunden haben:

„Ja. Ich habe mehrere Anbieter verglichen und diese Weiterbildung ausgewählt, weil sie [konkreter Grund] bietet. Ich habe auch darauf geachtet, dass die Maßnahme grundsätzlich über einen Bildungsgutschein gefördert werden kann.“

Die Bundesagentur weist darauf hin, dass sowohl Bildungsträger als auch konkrete Weiterbildung für die Förderung zugelassen sein müssen. In der Weiterbildungssuche von „mein NOW“ kann außerdem nach entsprechenden Angeboten gesucht werden.

Wenn Sie noch keinen Anbieter haben:

„Noch nicht endgültig. Mir war zunächst wichtig, mit Ihnen zu klären, welches Bildungsziel für meine berufliche Situation sinnvoll und förderfähig ist. Danach würde ich einen passenden Anbieter auswählen.“

Auch das ist eine völlig vernünftige Antwort.


Frage 15: „Warum gerade jetzt?“

Beispielantwort:

„Je länger ich ohne die erforderliche Qualifikation bleibe, desto schwieriger wird es, in meinem gewünschten Berufsfeld Fuß zu fassen. Außerdem sehe ich aktuell konkrete Stellenangebote, für die mir genau diese Qualifikation fehlt. Deshalb möchte ich die Weiterbildung jetzt nutzen, um meine Beschäftigungschancen zu verbessern.“

Diese Argumentation funktioniert besonders gut, wenn Sie tatsächlich konkrete Stellenangebote vorweisen können.


Frage 16: „Was haben Sie bisher selbst unternommen?“

Diese Frage bietet eine gute Möglichkeit, Eigeninitiative zu zeigen.

Beispielantwort:

„Ich habe bereits Bewerbungen geschrieben, Stellenangebote recherchiert und mich mit den Anforderungen meines gewünschten Berufsfeldes beschäftigt. Dabei habe ich festgestellt, dass mir insbesondere [Qualifikation] fehlt. Deshalb möchte ich diese Lücke jetzt gezielt schließen.“

Mögliche Nachweise sind:

  • Bewerbungen
  • Absagen
  • Stellenanzeigen
  • Gespräche mit Arbeitgebern
  • vorhandene Zertifikate
  • berufliche Zeugnisse
  • Lebenslauf

Frage 17: „Sind Sie bereit, auch andere Stellen anzunehmen?“

Gute Antwort:

„Ja. Ich bin grundsätzlich offen für passende Beschäftigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig möchte ich meine bisherigen Erfahrungen sinnvoll nutzen und meine Chancen in einem Bereich verbessern, in dem ich langfristig arbeiten kann.“

Damit zeigen Sie Flexibilität, ohne Ihr berufliches Ziel aufzugeben.


Frage 18: „Warum können Sie diese Weiterbildung erfolgreich absolvieren?“

Hier geht es um Ihre persönliche Eignung.

Beispielantwort:

„Ich bringe bereits [Ausbildung/Berufserfahrung/Vorkenntnisse] mit. Die Inhalte bauen darauf auf. Ich habe mich mit den Anforderungen beschäftigt und bin bereit, mich intensiv auf die Weiterbildung einzulassen.“

Die persönliche Eignung und vorhandenen Vorkenntnisse können bei der Beurteilung ebenfalls berücksichtigt werden.


Frage 19: „Was ist, wenn wir diese Weiterbildung nicht fördern?“

Hier sollte man nicht drohen oder emotional reagieren.

Eine gute Antwort wäre:

„Ich würde gerne verstehen, welche Voraussetzungen aus Ihrer Sicht derzeit noch fehlen. Wenn diese Weiterbildung nicht passend ist, würde ich gerne mit Ihnen besprechen, welche Qualifizierung aus Ihrer Sicht meine beruflichen Chancen verbessern könnte.“

Das ist oft deutlich produktiver als:

„Dann weiß ich auch nicht, was ich noch machen soll.“


Frage 20: „Warum soll ich Ihnen einen Bildungsgutschein geben?“

Das ist möglicherweise die wichtigste Frage überhaupt.

Eine gute Antwort könnte lauten:

„Weil die Weiterbildung ein konkretes berufliches Ziel unterstützt und eine Qualifikationslücke schließt, die ich bei meiner Stellensuche festgestellt habe. Ich habe mich mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes beschäftigt und kann Ihnen zeigen, welche Kenntnisse für die entsprechenden Stellen verlangt werden. Die Weiterbildung ist für mich deshalb kein Selbstzweck, sondern ein konkreter Schritt, um meine Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu verbessern.“


Die 5 stärksten Argumente für einen Bildungsgutschein

Wenn Sie nur wenige Punkte vorbereiten möchten, konzentrieren Sie sich auf diese fünf:

1. „Mir fehlt eine konkrete Qualifikation.“

Nicht:

„Ich möchte mich weiterbilden.“

Sondern:

„Mir fehlt Qualifikation X, die für mein berufliches Ziel benötigt wird.“

2. „Diese Qualifikation wird tatsächlich gesucht.“

Zeigen Sie konkrete Stellenangebote.

„In mehreren aktuellen Stellenanzeigen wird genau diese Qualifikation verlangt.“

3. „Die Weiterbildung schließt genau diese Lücke.“

„Die Inhalte der Weiterbildung entsprechen den Anforderungen der Stellen, auf die ich mich bewerben möchte.“

4. „Ich habe ein konkretes Ziel.“

„Nach Abschluss möchte ich mich gezielt auf Stellen als [Beruf] bewerben.“

5. „Ich habe mich bereits selbst bemüht.“

„Ich habe bereits Bewerbungen geschrieben und den Arbeitsmarkt recherchiert. Dabei habe ich festgestellt, dass mir diese Qualifikation fehlt.“


Was Sie besser nicht sagen sollten

Es gibt einige Aussagen, die im Beratungsgespräch eher ungünstig wirken können.

„Ich möchte einfach mal etwas Neues ausprobieren.“

Das klingt nach persönlichem Interesse und nicht nach beruflicher Notwendigkeit.

„Der Kurs wird bestimmt Spaß machen.“

Für die Förderentscheidung ist das nicht entscheidend.

„Ein Bekannter hat den Gutschein auch bekommen.“

Der Fall einer anderen Person ist für die eigene Förderentscheidung nicht maßgeblich.

„Ich habe im Internet gelesen, dass mir der Gutschein zusteht.“

Das kann zu einer unnötigen Diskussion führen. Besser ist, die eigene Situation sachlich darzustellen.

„Ich brauche unbedingt genau diesen Kurs.“

Zeigen Sie lieber Offenheit für Alternativen.

„Mit der Weiterbildung bekomme ich garantiert einen Job.“

Eine Weiterbildung garantiert keine Beschäftigung.

„Ich weiß noch nicht, was ich danach machen möchte.“

Wenn das tatsächlich so ist, sollte zunächst das berufliche Ziel geklärt werden. Die Bundesagentur für Arbeit sieht die Weiterbildung gerade im Zusammenhang mit der beruflichen Perspektive und der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit.


Ein mögliches Gespräch mit dem Berater

So könnte ein Beratungsgespräch beispielsweise aussehen:

Berater:
„Warum möchten Sie diese Weiterbildung machen?“

Sie:
„Ich möchte künftig im Bereich Finanzbuchhaltung arbeiten. Ich habe bereits kaufmännische Berufserfahrung, mir fehlen aber aktuelle Kenntnisse in Finanzbuchhaltung und DATEV.“

Berater:
„Haben Sie bereits nach entsprechenden Stellen gesucht?“

Sie:
„Ja. Ich habe mehrere Stellenangebote gefunden. Bei vielen werden Kenntnisse in DATEV und Finanzbuchhaltung verlangt. Ich kann Ihnen die Stellenangebote gerne zeigen.“

Berater:
„Warum reicht Ihre bisherige Erfahrung nicht aus?“

Sie:
„Meine bisherigen Tätigkeiten waren überwiegend allgemeine Sachbearbeitung. Die speziellen Kenntnisse in Finanzbuchhaltung fehlen mir. Deshalb werde ich bei entsprechenden Stellen häufig nicht berücksichtigt.“

Berater:
„Was möchten Sie nach der Weiterbildung machen?“

Sie:
„Ich möchte mich gezielt auf Stellen als Finanzbuchhalter beziehungsweise kaufmännischer Mitarbeiter mit Schwerpunkt Buchhaltung bewerben.“

Berater:
„Warum gerade diese Weiterbildung?“

Sie:
„Ich habe verschiedene Angebote verglichen. Diese Weiterbildung deckt genau die Kenntnisse ab, die in den Stellenangeboten verlangt werden. Deshalb halte ich sie für passend zu meinem beruflichen Ziel.“

Berater:
„Sind Sie auch für andere Weiterbildungen offen?“

Sie:
„Ja. Mir ist vor allem wichtig, die Qualifikation zu erwerben, die ich für mein berufliches Ziel benötige. Wenn Sie eine andere Weiterbildung für geeigneter halten, würde ich diese gerne gemeinsam mit Ihnen prüfen.“

Das ist eine wesentlich bessere Gesprächsstrategie, als ausschließlich auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins zu drängen.


Die perfekte Vorbereitung: Diese Unterlagen sollten Sie mitnehmen

Je nach Situation können folgende Unterlagen hilfreich sein:

Persönliche Unterlagen

  • aktueller Lebenslauf
  • Berufsabschlusszeugnisse
  • Arbeitszeugnisse
  • vorhandene Zertifikate
  • Nachweise über Weiterbildungen

Unterlagen zur Weiterbildung

  • Name des Bildungsträgers
  • genaue Bezeichnung der Weiterbildung
  • Inhalte
  • Dauer
  • Beginn
  • Abschluss
  • Informationen zur Förderfähigkeit

Unterlagen zum Arbeitsmarkt

  • aktuelle Stellenangebote
  • Anforderungen der Arbeitgeber
  • gegebenenfalls Absagen auf Bewerbungen
  • Nachweise über bereits versendete Bewerbungen

Dabei gilt: Nicht die Menge der Unterlagen ist entscheidend. Wichtiger ist, dass sie die Argumentation unterstützen.


Eine einfache Gesprächsstrategie in 5 Sätzen

Wer nervös ist, kann sich diese Struktur merken:

1. Mein Ziel:
„Ich möchte künftig als ______ arbeiten.“

2. Mein Problem:
„Dafür fehlt mir derzeit ______.“

3. Der Arbeitsmarkt:
„In mehreren aktuellen Stellenangeboten wird genau diese Qualifikation verlangt.“

4. Die Lösung:
„Die Weiterbildung ______ vermittelt genau diese Kenntnisse.“

5. Mein Ziel nach der Weiterbildung:
„Danach möchte ich mich gezielt auf entsprechende Stellen bewerben.“

Damit haben Sie bereits die wesentlichen Punkte abgedeckt.


Was tun, wenn der Berater nicht überzeugt ist?

Nicht jedes Gespräch endet sofort mit einem Bildungsgutschein.

Wenn Ihr Berater Bedenken hat, sollten Sie zunächst herausfinden, welcher Punkt genau problematisch ist.

Sie können beispielsweise fragen:

„Was spricht aus Ihrer Sicht gegen diese Weiterbildung?“

Oder:

„Welche Voraussetzung ist in meinem Fall noch nicht erfüllt?“

Oder:

„Welche Weiterbildung würden Sie für mein berufliches Ziel als sinnvoller ansehen?“

Oder:

„Was müsste ich noch nachweisen, damit die Notwendigkeit der Weiterbildung besser beurteilt werden kann?“

Oder:

„Gibt es eine andere Qualifizierung, die aus Ihrer Sicht meine Vermittlungschancen stärker verbessert?“

Diese Fragen können wesentlich hilfreicher sein als der Versuch, eine Ablehnung unmittelbar zu widerlegen.


Wenn der gewünschte Kurs nicht akzeptiert wird

Es kann vorkommen, dass die Agentur für Arbeit zwar eine Weiterbildung grundsätzlich für sinnvoll hält, aber nicht genau den von Ihnen gewünschten Kurs.

Dann sollten Sie offen bleiben.

Der Bildungsgutschein wird in der Regel für ein bestimmtes Bildungsziel ausgestellt und kann zeitlich, regional und hinsichtlich des Bildungsziels begrenzt sein. Der konkrete Bildungsträger und die Weiterbildung müssen für die Förderung zugelassen sein.

Das bedeutet:

Nicht unbedingt der eine konkrete Kurs ist entscheidend – sondern das geförderte Bildungsziel.

Wenn beispielsweise mehrere zugelassene Weiterbildungen dieselben relevanten Qualifikationen vermitteln, kann eine Alternative ebenfalls infrage kommen.


Was ist, wenn mein Berater sagt: „Sie brauchen keine Weiterbildung“?

Dann lohnt sich eine sachliche Nachfrage.

Zum Beispiel:

„Welche Möglichkeiten sehen Sie stattdessen, um meine Chancen auf eine Beschäftigung in diesem Bereich zu verbessern?“

Oder:

„Welche Qualifikationen fehlen mir Ihrer Einschätzung nach nicht?“

Oder:

„Wie schätzen Sie meine Chancen ohne diese Weiterbildung ein?“

Und:

„Welche Alternative würden Sie mir empfehlen?“

So erhalten Sie konkrete Informationen darüber, wie die Agentur Ihre Situation einschätzt.


Ein wichtiger Punkt: Nicht manipulieren, sondern sachlich argumentieren

Beim Thema Bildungsgutschein findet man im Internet viele Tipps nach dem Motto:

„Sag deinem Berater einfach dies oder jenes, dann bekommst du den Gutschein.“

Davon sollte man Abstand nehmen.

Die bessere Strategie ist, bei der Wahrheit zu bleiben und die eigene Situation gut vorzubereiten.

Erfinden Sie keine Jobangebote, Bewerbungen oder beruflichen Ziele. Behaupten Sie nicht, dass eine Qualifikation zwingend erforderlich ist, wenn sie es tatsächlich nicht ist.

Eine überzeugende Argumentation basiert auf echten Fakten:

Meine Situation → mein Ziel → meine Qualifikationslücke → Bedarf am Arbeitsmarkt → passende Weiterbildung → bessere Beschäftigungschancen


Checkliste für das Gespräch

Vor dem Termin sollten Sie diese Fragen beantworten können:

Welchen Beruf möchte ich nach der Weiterbildung ausüben?

Welche Qualifikation fehlt mir dafür?

Warum kann ich mein Ziel ohne diese Qualifikation nur schwer erreichen?

Welche konkreten Stellenangebote gibt es?

Welche Anforderungen werden dort genannt?

Welche dieser Anforderungen erfülle ich noch nicht?

Welche Weiterbildung schließt diese Lücke?

Was lerne ich konkret in der Weiterbildung?

Welchen Abschluss oder welches Zertifikat erhalte ich?

Warum habe ich gerade diese Weiterbildung ausgewählt?

Welche beruflichen Möglichkeiten habe ich danach?

Welche Alternativen gibt es, falls diese Weiterbildung nicht geeignet ist?

Wenn Sie diese Fragen beantworten können, gehen Sie wesentlich strukturierter in das Gespräch.