„Ist es schwer, einen Bildungsgutschein zu bekommen?“ Diese Frage stellen sich viele Menschen, die eine Weiterbildung, Umschulung oder Qualifizierung über die Agentur für Arbeit finanzieren lassen möchten.
Die kurze Antwort lautet:
Es kann schwierig sein – muss es aber nicht.
Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, hängt vor allem davon ab, ob die geplante Weiterbildung für die berufliche Eingliederung notwendig ist und ob die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Es handelt sich nicht um eine automatische Leistung, die jeder arbeitslosen oder arbeitssuchenden Person zusteht.
Wer sein berufliches Ziel nachvollziehbar erklären kann und überzeugend darlegt, warum genau diese Weiterbildung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert, hat eine deutlich bessere Grundlage für das Beratungsgespräch.
Warum ist es manchmal schwierig, einen Bildungsgutschein zu bekommen?
Die Agentur für Arbeit prüft bei einem Antrag nicht einfach, ob jemand gerne eine bestimmte Weiterbildung machen möchte.
Vielmehr wird die individuelle Situation betrachtet. Entscheidend ist insbesondere, ob die Weiterbildung notwendig und geeignet ist, die berufliche Eingliederung zu verbessern. (arbeitsagentur.de)
Die Agentur kann beispielsweise prüfen:
- Wie sieht die bisherige berufliche Situation aus?
- Welche Qualifikationen sind bereits vorhanden?
- Welches konkrete berufliche Ziel besteht?
- Besteht Arbeitslosigkeit oder droht Arbeitslosigkeit?
- Welche Chancen bestehen ohne Weiterbildung?
- Welche Chancen bestehen nach erfolgreicher Weiterbildung?
- Ist die gewünschte Weiterbildung für das berufliche Ziel tatsächlich erforderlich?
- Sind die persönlichen Voraussetzungen für die Maßnahme erfüllt?
- Ist der Bildungsträger beziehungsweise die Maßnahme für eine Förderung zugelassen?
Daher kann ein Antrag auf einen Bildungsgutschein bei einer Person bewilligt werden, während eine vergleichbare Weiterbildung bei einer anderen Person nicht gefördert wird.
Arbeitslos zu sein bedeutet nicht automatisch, einen Bildungsgutschein zu bekommen
Ein häufiger Irrtum ist:
„Ich bin arbeitslos, deshalb muss mir die Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein geben.“
So einfach ist es nicht.
Arbeitslosigkeit kann zwar ein wichtiger Grund für eine Weiterbildung sein, sie allein führt aber nicht automatisch zu einer Förderzusage.
Die Agentur für Arbeit muss prüfen, ob die Weiterbildung tatsächlich zur beruflichen Eingliederung beiträgt. Eine Weiterbildung, die lediglich persönliche Interessen erfüllt, ohne einen nachvollziehbaren Bezug zum beruflichen Ziel zu haben, kann deshalb abgelehnt werden.
Umgekehrt muss man nicht zwingend bereits arbeitslos sein, um eine Förderung zu erhalten. Auch Beschäftigte können unter bestimmten Voraussetzungen bei einer beruflichen Weiterbildung gefördert werden. (arbeitsagentur.de)
Was macht einen Bildungsgutschein wahrscheinlicher?
Eine gute Vorbereitung auf das Beratungsgespräch kann entscheidend sein.
Besonders wichtig ist ein konkretes berufliches Ziel.
Statt lediglich zu sagen:
„Ich möchte eine Weiterbildung im Bereich IT machen.“
ist eine deutlich bessere Argumentation beispielsweise:
„Ich möchte künftig als IT-Systemadministrator arbeiten. In den Stellenangeboten, auf die ich mich bewerben möchte, werden Kenntnisse in Netzwerktechnik und bestimmten Systemen vorausgesetzt. Diese Kenntnisse fehlen mir derzeit. Die geplante Weiterbildung vermittelt genau diese Kompetenzen und verbessert damit meine Chancen auf eine Beschäftigung.“
Der Unterschied ist wichtig: Im zweiten Fall wird deutlich, warum die Weiterbildung notwendig ist.
Konkrete Stellenangebote können hilfreich sein
Eine gute Vorbereitung besteht darin, sich den aktuellen Arbeitsmarkt anzusehen.
Wer beispielsweise eine Weiterbildung im Bereich Lagerlogistik, Buchhaltung, IT, Pflege, Projektmanagement oder einer anderen Fachrichtung beantragen möchte, kann vor dem Gespräch recherchieren:
- Welche Stellen werden in diesem Bereich ausgeschrieben?
- Welche Qualifikationen werden häufig verlangt?
- Welche Kenntnisse fehlen mir?
- Welche Anforderungen erfülle ich bereits?
- Welche Anforderungen kann ich durch die Weiterbildung erwerben?
Konkrete Stellenangebote können dabei helfen, den beruflichen Bedarf nachvollziehbar zu machen.
Sie zeigen beispielsweise:
„Diese Qualifikation wird tatsächlich von Arbeitgebern gesucht.“
Das ist wesentlich überzeugender als die allgemeine Aussage:
„Ich glaube, dass ich mit diesem Kurs bessere Chancen habe.“
Die Wahl der Weiterbildung ist entscheidend
Auch die gewünschte Weiterbildung selbst spielt eine wichtige Rolle.
Die Agentur für Arbeit prüft nicht nur die Person, sondern auch die geplante Maßnahme.
Unter anderem müssen die entsprechenden Voraussetzungen für die Förderung erfüllt sein. Bildungsträger und konkrete Weiterbildungsmaßnahmen müssen für die Förderung zugelassen sein. (arbeitsagentur.de)
Deshalb sollte man sich nicht einfach für irgendeinen Kurs anmelden.
Sinnvoller ist es, zunächst zu klären:
Passt die Weiterbildung zu meinem beruflichen Ziel und kann sie grundsätzlich über einen Bildungsgutschein gefördert werden?
Erst danach sollte die konkrete Anmeldung erfolgen.
Was sollte man zum Beratungsgespräch mitbringen?
Wer die Chancen auf eine Bewilligung verbessern möchte, sollte möglichst gut vorbereitet zum Gespräch mit der Agentur für Arbeit gehen.
Hilfreich können sein:
1. Aktueller Lebenslauf
Der Lebenslauf zeigt, welche beruflichen Erfahrungen und Qualifikationen bereits vorhanden sind.
2. Konkretes Berufsziel
Man sollte möglichst genau erklären können, welche Tätigkeit man nach der Weiterbildung ausüben möchte.
3. Informationen zur gewünschten Weiterbildung
Dazu gehören beispielsweise:
- Name des Bildungsträgers
- Inhalte der Weiterbildung
- Dauer
- Starttermin
- Abschluss beziehungsweise Zertifikat
- Informationen zur Zulassung der Maßnahme
4. Stellenangebote
Besonders hilfreich können aktuelle Stellenanzeigen sein, aus denen hervorgeht, dass die geplanten Kenntnisse tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.
5. Begründung für die Weiterbildung
Die wichtigste Frage lautet:
Warum brauche ich diese Weiterbildung, um beruflich weiterzukommen?
Auf diese Frage sollte man eine klare Antwort geben können.
Gute Argumentation statt „Ich möchte den Kurs gerne machen“
Die Formulierung im Beratungsgespräch kann einen großen Unterschied machen.
Eine wenig überzeugende Begründung wäre:
„Ich interessiere mich schon lange für dieses Thema und würde gerne einen Kurs dazu machen.“
Eine beruflich konkretere Begründung wäre:
„Ich möchte meine beruflichen Chancen im Bereich X verbessern. Für die entsprechenden Stellen werden Kenntnisse in Y vorausgesetzt, die mir derzeit fehlen. Die Weiterbildung vermittelt genau diese Kenntnisse und führt zu einem anerkannten beziehungsweise für den Arbeitsmarkt relevanten Abschluss.“
Es geht also nicht darum, die Vermittlungsfachkraft mit möglichst vielen Argumenten zu überzeugen.
Entscheidend ist, den tatsächlichen beruflichen Zusammenhang nachvollziehbar darzustellen.
Ist ein Bildungsgutschein eine Ermessensentscheidung?
Bei vielen Weiterbildungen wird die Förderung im Einzelfall geprüft. Die Agentur für Arbeit muss dabei die gesetzlichen Voraussetzungen berücksichtigen und beurteilen, ob die Weiterbildung für die berufliche Eingliederung notwendig ist. (arbeitsagentur.de)
Deshalb gibt es keine allgemeingültige Formel wie:
„Wer sechs Monate arbeitslos ist, bekommt einen Bildungsgutschein.“
Auch eine bestimmte Dauer der Arbeitslosigkeit garantiert die Förderung nicht.
Entscheidend ist vielmehr die individuelle Situation und das berufliche Ziel.
Welche Gründe sprechen für eine Weiterbildung?
Die Ausgangssituation kann beispielsweise dann für eine Weiterbildung sprechen, wenn:
- die bisherigen Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichen,
- wichtige berufliche Kenntnisse fehlen,
- ein Berufsabschluss fehlt,
- ein Berufsabschluss nach längerer Tätigkeit in einer ungelernten Tätigkeit nicht mehr verwertbar ist,
- eine berufliche Neuorientierung notwendig ist,
- Arbeitslosigkeit droht,
- sich die Beschäftigungschancen durch die Weiterbildung deutlich verbessern,
- ein konkreter Bedarf auf dem Arbeitsmarkt besteht.
Insbesondere der nachträgliche Erwerb eines Berufsabschlusses kann eine wichtige Rolle spielen. Unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen besteht für abschlussorientierte Weiterbildungen sogar ein Anspruch auf Förderung. (arbeitsagentur.de)
Welche Gründe können gegen einen Bildungsgutschein sprechen?
Umgekehrt kann eine Förderung schwieriger sein, wenn beispielsweise:
- das berufliche Ziel unklar ist,
- kein konkreter Bedarf für die Weiterbildung erkennbar ist,
- die Weiterbildung hauptsächlich privaten Interessen dient,
- die beruflichen Chancen durch die Maßnahme voraussichtlich nicht ausreichend verbessert werden,
- die persönlichen Voraussetzungen für die Weiterbildung fehlen,
- eine andere Maßnahme geeigneter erscheint,
- der gewünschte Bildungsträger oder die Maßnahme die notwendigen Fördervoraussetzungen nicht erfüllt.
Dabei sollte eine Ablehnung nicht automatisch als endgültiges „Nein zu jeder Weiterbildung“ verstanden werden.
Es kann sich lohnen, nachzufragen:
„Was müsste erfüllt sein, damit eine Förderung möglich wäre?“
So lässt sich häufig besser nachvollziehen, welche Voraussetzungen noch fehlen.
Kann man einen Bildungsgutschein auch beim ersten Gespräch bekommen?
Das ist grundsätzlich möglich, hängt aber vom individuellen Fall ab.
In manchen Situationen sind die Voraussetzungen bereits ausreichend geklärt und es steht eine geeignete Weiterbildung fest.
In anderen Fällen benötigt die Agentur für Arbeit zunächst weitere Informationen oder es müssen noch Alternativen geprüft werden.
Deshalb sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der Bildungsgutschein automatisch beim ersten Termin ausgestellt wird.
Eine gute Vorbereitung kann den Prozess jedoch erleichtern.
Was tun, wenn der Bildungsgutschein abgelehnt wird?
Eine Ablehnung muss nicht das Ende der Suche nach einer Weiterbildung sein.
Zunächst sollte man sich erklären lassen, warum die Förderung nicht bewilligt wurde.
Mögliche Fragen für das Gespräch sind:
- Warum wird die Weiterbildung nicht als notwendig angesehen?
- Welche Qualifizierung wäre aus Ihrer Sicht geeigneter?
- Welche Voraussetzungen fehlen mir derzeit?
- Welche Weiterbildung würde zu meinem beruflichen Ziel passen?
- Kann ich einen Antrag erneut stellen, wenn sich meine Situation ändert?
- Welche Alternativen zur gewünschten Weiterbildung gibt es?
Wenn eine schriftliche Entscheidung vorliegt, sollte man diese sorgfältig prüfen. Je nach konkreter Entscheidung und Rechtsbehelfsbelehrung können weitere rechtliche Schritte möglich sein.
Bei Unsicherheit kann es sinnvoll sein, sich beraten zu lassen.
Wie lange dauert es, einen Bildungsgutschein zu bekommen?
Eine pauschale Bearbeitungsdauer gibt es nicht.
Wie schnell eine Entscheidung getroffen werden kann, hängt unter anderem davon ab, wie vollständig die notwendigen Informationen vorliegen und wie komplex der individuelle Fall ist.
Wer bereits genau weiß, welche Weiterbildung geeignet ist, kann zum Beratungsgespräch möglichst viele Informationen mitbringen.
Das kann beispielsweise sein:
- Kursbeschreibung
- Dauer
- Beginn
- Abschluss
- Informationen zum Bildungsträger
- Nachweise über die Förderfähigkeit der Maßnahme
- passende Stellenangebote
Je konkreter die Situation dargestellt werden kann, desto einfacher ist es für die Agentur für Arbeit, die berufliche Notwendigkeit zu beurteilen.
Kann man einen Bildungsgutschein erzwingen?
Ein Bildungsgutschein ist nicht einfach eine Leistung, die jeder Antragsteller nach Erfüllung einer bestimmten Anzahl von Voraussetzungen automatisch erhält.
Bei vielen Weiterbildungen wird individuell geprüft, ob die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen und ob die Maßnahme notwendig ist.
Eine wichtige Ausnahme können bestimmte abschlussorientierte Weiterbildungen darstellen, bei denen unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Anspruch auf Förderung bestehen kann. (arbeitsagentur.de)
Deshalb sollte man zwischen einem allgemeinen Wunsch nach Weiterbildung und einem möglichen gesetzlichen Anspruch auf eine bestimmte Förderung unterscheiden.
7 Tipps für ein erfolgreiches Beratungsgespräch
Wer einen Bildungsgutschein beantragen möchte, kann sich mit diesen sieben Punkten vorbereiten:
1. Berufliches Ziel festlegen
Überlegen Sie sich, welche konkrete Tätigkeit Sie nach der Weiterbildung ausüben möchten.
2. Arbeitsmarkt recherchieren
Suchen Sie nach passenden Stellenangeboten und prüfen Sie, welche Qualifikationen Arbeitgeber verlangen.
3. Weiterbildung gezielt auswählen
Die Weiterbildung sollte genau die Kenntnisse vermitteln, die für das angestrebte Berufsziel fehlen.
4. Förderfähigkeit prüfen
Informieren Sie sich darüber, ob Bildungsträger und konkrete Maßnahme für eine Förderung zugelassen sind.
5. Lebenslauf aktualisieren
Der Lebenslauf sollte Ihre bisherigen Qualifikationen und Berufserfahrungen übersichtlich darstellen.
6. Weiterbildung begründen
Bereiten Sie eine kurze und konkrete Antwort auf die Frage vor:
„Warum ist diese Weiterbildung für Ihre berufliche Zukunft notwendig?“
7. Nicht zu früh anmelden
Die Beratung und Förderentscheidung sollten vor Beginn der Weiterbildung erfolgen. Wer einen Kurs bereits eigenständig beginnt, sollte nicht davon ausgehen, dass die Kosten anschließend rückwirkend übernommen werden. (arbeitsagentur.de)
Checkliste: Habe ich gute Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein?
Je mehr dieser Aussagen zutreffen, desto besser können Sie Ihre Situation im Beratungsgespräch begründen:
☐ Ich habe ein konkretes berufliches Ziel.
☐ Ich kann erklären, warum ich dieses Ziel ohne Weiterbildung nur schwer erreichen kann.
☐ Die Weiterbildung vermittelt mir konkrete, auf dem Arbeitsmarkt benötigte Kenntnisse.
☐ Ich habe passende Stellenangebote recherchiert.
☐ Ich kann zeigen, welche Anforderungen der Arbeitgeber stellt und welche Qualifikation mir derzeit fehlt.
☐ Ich erfülle die persönlichen Voraussetzungen für die Weiterbildung.
☐ Die Weiterbildung beziehungsweise der Bildungsträger erfüllt die Voraussetzungen für eine Förderung.
☐ Ich habe die Weiterbildung noch nicht begonnen.
☐ Ich kann nachvollziehbar erklären, warum gerade diese Weiterbildung sinnvoll ist.
Diese Checkliste ersetzt keine Prüfung durch die Agentur für Arbeit. Sie kann aber dabei helfen, das eigene Anliegen strukturiert vorzubereiten.



